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Brauereigeschirre

Durch Zufall habe ich heute morgen den Fernseher eingeschaltet und bin dabei auf den Festzug zum Münchner Oktoberfest gestossen. Es ist immer faszinierend, die Brauereigeschirre zu sehen. Bei einem Gespann sagte die Moderatorin, dass das Geschirr vom letzten Sattler gefertigt wurde. Erst einmal: es gibt keinen letzten Sattler, den wird es auch nie geben, denn unser Beruf wächst mit der Zeit und ist stets aktuell, vor allem wenn es um Fahrzeugsitze und Co. geht. Es gibt vielleicht alte Sattler mit besonderem Talent, z.B. alte Strohkumte von Grund auf selbst zu fertigen. Wenn diese die Handwerkskunst nicht weitergeben, stirbt diese Kunst aus. Aber stirbt diese nicht eher aus, weil sie nicht mehr gefragt ist?
Wenn ich mich mit Brauereigeschirren beschäftigen könnte, würde ich zu gern ein solches Brauereigeschirr herstellen. Leider sind jedoch die Brauereien, die noch Brauereipferde haben, bzw. leihen sehr rar gesäht und wenn, dann sind sie mit wunderschönen Geschirren ausgestattet, die Jahrhunderte halten. Natürlich steckt wahnsinnig viel Arbeit drin, natürlich kostet solch ein 6er Zug Geschirr rund einen 6stelligen Betrag.
Wenn mich jedoch jemand fragen würde: ich würde zugern solch ein Geschirr anfertigen. Schon allein aus Spaß an der Arbeit und der Herausforderung.
Vielleicht kommt ja mal ein Liebhaber oder ein Millionär aus wer weiß welchem Land....
Ich fertige Ihnen ein Brauereigeschirr an.
 



 

Isländer Sättel

Hin und wieder bearbeite ich Islandpferdesättel. Schon oft habe ich gedacht: Ui, der Sattel ist aber schon alt. Dann hörte ich jedoch vom Besitzer, dass der Sattel 2 Jahre alt sei. Wie das? Das Leder ist brüchig, Nähte sind offen und einer 2cm dicke Schmandschicht bedeckt ggf. den Sattel (die meisten sind eigentlich sauber).
Aber wovon ist das Leder so brüchig?

Aha, jetzt erfahre ich, wie der Sattel benutzt wird. Mit einem schwabbeligen Gelkissen, pur, sonst nichts. OK, jetzt dämmert es...

Die Satteldecke oder Schabracke ist dazu da, den Sattel vor Schmutz zu schützen, nicht, wie man denken könnte, um das Pferd vor den Sattel zu schützen. Die Sattelunterlage saugt Schmutz und Schweiß auf. Benutzt man nun keine Satteldecke, dringen Schweiß und Schmutz ins Leder ein. Dadurch wird das Leder erst hart, dann brüchig.

Benutzt man den Sattel blank, ist es erforderlich, nach jedem Reiten diesen von Schmutz und Schweiß zu befreien. Nach dem Reinigen sollte als Pflege ein Lederbalsam aufgebracht werden. Dennoch leidet der Sattel mehr, als ein Sattel, der von einer Unterlage geschützt wird.

Zum Gelkissen ist noch zu sagen, dass ich nicht davon überzeugt bin, das Gelkissen pur auf den Pferderücken zu legen. Gelkissen sind immer recht schwer und liegen auf der Wirbelsäule auf. Außerdem wurde schon festgestellt, dass Gelkissen die Muskulatur sozusagen verschieben.

Fakt ist, eine normale Satteldecke unter einem angepasstem Tötsattel ist das idealste.
 

 

Sättel von Schulpferden

Würde der Marathonläufer mit zwei Nummern zu kleinen, ausgelatschen Flip-Flops seine Laufstrecken bewältigen können? Reitvereine und Reitschulen verdienen Ihr Geld durch die Bereitstellung von Schulpferden. Die Reitschüler können nicht beurteilen, ob die Sättel für die Pferde in Ordnung sind. Welcher Fahrschüler begutachtet beim Fahrschulauto als erstes die Profiltiefe der Reifen?

Es sollte meiner Meinung nach zur Pflicht gemacht werden, dass Schulpferde-Sättel regelmäßig auf ihre Passform überprüft werden müssen.

Es ist nicht nur das Pferde-"Material", welches bereits nach wenigen Jahren durch unpassende Sättel "platt" ist. Warum zum Beispiel sind manche Schulpferde mit
Untugenden belastet? Oft drückt der Sattel so fies, dass Schulpferde das Beißen
beim Satteln anfangen, nicht am Zügel gehen wollen oder ähnliche Schwierigkeiten haben. Solche Untugenden führen nicht selten zu Unfällen.

Ein weiterer Punkt, der meiner Meinung nach überwacht werden sollte ist, dass manche Reiterhöfe um die 100 Pferde aber nur 10 Sättel haben. Reiten ohne Sattel ist selbstverständlich förderlich für die Reitschüler. Ich selbst bin früher fast mehr ohne, als mit Sattel geritten.
Aber was passiert, wenn diese 100 Pferde im Gelände durchgehen und dadurch verletzte Kinder zustande kommen. Es ist doch nicht abzustreiten, dass man ohne Sattel schneller von einem steigenden oder straucheldem Pferd rutscht, als mit.
Es ist durchaus klar, dass ein Sattel seinen Preis hat, aber geht nicht die Sicherheit überall vor? Es werden dem Kind teure Kindersitze für das Auto gekauft, Fahrrad wird nur mit Helm gefahren und zum Inliner fahren gehören die Knie- und Ellbogenschoner.
Warum lassen Eltern dann zu, ohne Sattel ins Gelände zu reiten?

Ich persönlich wäre für einen Sattel-Reitschul-TÜV. Jedes Pferd sollte seinen TÜV zertifizierten Sattel haben. Vielleicht wird es so etwas schon bald geben. Wir arbeiten daran!
 

Winterfell ade!

In diesem Jahr hat es bestimmt jeder gedacht: Wann ist der Winter endlich vorbei. Auch ich habe mir noch nie so den Frühling herbei gewünscht, wie 2010.

In diesem Jahr bin ich sehr vielen Pferden begegnet, deren Fell extrem weggescheuert war. Oft sind Scheuerstellen im Fell auf einen nicht passenden Sattel zurück zu führen. Der Sattel hat zuviel Bewegung und rutscht entweder seitlich hin und her oder ist in der Längsbiegung nicht passend und schaukelt so regelrecht auf dem Pferd herum.
Des öfteren hat sich bei Sattelkontrollen jedoch auch ergeben, dass nicht der Sattel für das Scheuern verantwortlich ist, sondern die Schabracke. Vergleichen Sie das mal mit einer Winterjacke. Es ist kalt, Sie haben von der Kälte trockene Haut, Sie ziehen den Reißverschluß bis ganz oben unter das Kinn zu. Wenn Ihre Jacke jetzt nicht so mitdenkend konstruiert wurde, kratzen Sie sich das Kinn wund. Sicher hat das so mancher schonmal erlebt.

Die Schabracken müssen auch gar keine harten Kanten haben, es passiert sehr schnell, dass das beanspruchte Winterfell bricht und sich wegscheuert.

Abhilfe schaffen würden meist kurze Satteldecken (nicht Schabracken) oder Lammfelle (direkt auf das Fell gelegt!).
Oft sind aber auch die Schabracken nur ungünstig geschnitten. Achten Sie auf einen durchgehenden anatomischen Schnitt der Schabracke!

Übrigens sind Füchse und Schimmel am anfälligsten.

Schauen Sie selbst einmal nach, wie das Fell Ihres Pferdes in Rückenbereich und Gurtlage aussieht.
Sind die Scheuerstellen wirklich im Bereich, wo der Sattel liegt? Ein unruhiger Sattel ergibt eine großflächigere Scheuerstelle. Oft sieht man einen schmalen Rand, der bei genauem Hinsehen von der Schabracke kommt.

Im Zweifelsfall lassen Sie einfach mal den Sattel kontrollieren! Das schadet selten, vor allem wenn er lange nicht nachgesehen wurde. Jetzt geht die Saison langsam los. Da sollte der Sattel gut passen...und vielleicht kommen die Scheuerstellen bei Ihrem Pferd ja doch vom Sattel. Übrigens kann ein Sattler auch oft bei Scheuerstellen helfen, die vom Sattelgurt kommen.


 

Rückenprobleme durch Winterdecken?

In diesem Jahr ist es mir besonders aufgefallen. Immer mehr Pferde reagieren im Bereich von Widerrist und Trapezmuskel empfindlich. Vor ein paar Tagen habe ich mir bei einem Pferd einen Sattel angesehen und mich gewundert, warum der Sattel recht gut liegt, dass Pferd sich aber am Trapezius kaum anfassen ließ. Als die Besitzerin des Pferdes die Winterdecke wieder auflegte, war mir klar, woher das Pferd die Probleme hatte. Die schwere Winterdecke lag stramm auf dem Widerrist auf, das Material war stabil, aber dadurch sehr schwer. Die Decke hatte keine Gehfalten und war unvorteilhaft geschnitten.

Ganz schnell werden solche Rückenprobleme auf den Sattel geschoben, die Decke, die bis zu 24 Stunden auf dem Pferderücken liegt, wird nicht beachtet.
Decken können auch Scheuerstellen verursachen, die zu kahlen Stellen oder gar Wunden führen können. Auch das sieht man extrem häufig.

Achten Sie darauf, dass die Winterdecke optimal und anatomisch für den Pferderücken geschnitten ist. Im Zweifelsfall sollten Sie eine Decke mit sogenanntem Highneck verwenden. Diese Decken sind am Hals hoch geschnitten und liegen so nicht mit dem ganzen Gewicht auf dem Widerrist. Achten Sie auch auf eine gute Polsterung im Widerristbereich! Achten Sie auf die richtige Größe und nehmen Sie nicht zu schweres Material.
Aufgesattelt hat ein spezielles System entwickelt. Es ist einfach, fast jede Decke ist damit nachrüstbar. Wir werden dies in Kürze auf unserer Homepage präsentieren.