Sättel von Schulpferden
Würde der Marathonläufer mit zwei Nummern zu kleinen, ausgelatschen Flip-Flops seine Laufstrecken bewältigen können? Reitvereine und Reitschulen verdienen Ihr Geld durch die Bereitstellung von Schulpferden. Die Reitschüler können nicht beurteilen, ob die Sättel für die Pferde in Ordnung sind. Welcher Fahrschüler begutachtet beim Fahrschulauto als erstes die Profiltiefe der Reifen?
Es sollte meiner Meinung nach zur Pflicht gemacht werden, dass Schulpferde-Sättel regelmäßig auf ihre Passform überprüft werden müssen.
...Fortsetzung folgt...
Winterfell ade!
In diesem Jahr hat es bestimmt jeder gedacht: Wann ist der Winter endlich vorbei. Auch ich habe mir noch nie so den Frühling herbei gewünscht, wie 2010.
In diesem Jahr bin ich sehr vielen Pferden begegnet, deren Fell extrem weggescheuert war. Oft sind Scheuerstellen im Fell auf einen nicht passenden Sattel zurück zu führen. Der Sattel hat zuviel Bewegung und rutscht entweder seitlich hin und her oder ist in der Längsbiegung nicht passend und schaukelt so regelrecht auf dem Pferd herum.
Des öfteren hat sich bei Sattelkontrollen jedoch auch ergeben, dass nicht der Sattel für das Scheuern verantwortlich ist, sondern die Schabracke. Vergleichen Sie das mal mit einer Winterjacke. Es ist kalt, Sie haben von der Kälte trockene Haut, Sie ziehen den Reißverschluß bis ganz oben unter das Kinn zu. Wenn Ihre Jacke jetzt nicht so mitdenkend konstruiert wurde, kratzen Sie sich das Kinn wund. Sicher hat das so mancher schonmal erlebt.
Die Schabracken müssen auch gar keine harten Kanten haben, es passiert sehr schnell, dass das beanspruchte Winterfell bricht und sich wegscheuert.
Abhilfe schaffen würden meist kurze Satteldecken (nicht Schabracken) oder Lammfelle (direkt auf das Fell gelegt!).
Oft sind aber auch die Schabracken nur ungünstig geschnitten. Achten Sie auf einen durchgehenden anatomischen Schnitt der Schabracke!
Übrigens sind Füchse und Schimmel am anfälligsten.
Schauen Sie selbst einmal nach, wie das Fell Ihres Pferdes in Rückenbereich und Gurtlage aussieht.
Sind die Scheuerstellen wirklich im Bereich, wo der Sattel liegt? Ein unruhiger Sattel ergibt eine großflächigere Scheuerstelle. Oft sieht man einen schmalen Rand, der bei genauem Hinsehen von der Schabracke kommt.
Im Zweifelsfall lassen Sie einfach mal den Sattel kontrollieren! Das schadet selten, vor allem wenn er lange nicht nachgesehen wurde. Jetzt geht die Saison langsam los. Da sollte der Sattel gut passen...und vielleicht kommen die Scheuerstellen bei Ihrem Pferd ja doch vom Sattel. Übrigens kann ein Sattler auch oft bei Scheuerstellen helfen, die vom Sattelgurt kommen.
Rückenprobleme durch Winterdecken?
In diesem Jahr ist es mir besonders aufgefallen. Immer mehr Pferde reagieren im Bereich von Widerrist und Trapezmuskel empfindlich. Vor ein paar Tagen habe ich mir bei einem Pferd einen Sattel angesehen und mich gewundert, warum der Sattel recht gut liegt, dass Pferd sich aber am Trapezius kaum anfassen ließ. Als die Besitzerin des Pferdes die Winterdecke wieder auflegte, war mir klar, woher das Pferd die Probleme hatte. Die schwere Winterdecke lag stramm auf dem Widerrist auf, das Material war stabil, aber dadurch sehr schwer. Die Decke hatte keine Gehfalten und war unvorteilhaft geschnitten.
Ganz schnell werden solche Rückenprobleme auf den Sattel geschoben, die Decke, die bis zu 24 Stunden auf dem Pferderücken liegt, wird nicht beachtet.
Decken können auch Scheuerstellen verursachen, die zu kahlen Stellen oder gar Wunden führen können. Auch das sieht man extrem häufig.
Achten Sie darauf, dass die Winterdecke optimal und anatomisch für den Pferderücken geschnitten ist. Im Zweifelsfall sollten Sie eine Decke mit sogenanntem Highneck verwenden. Diese Decken sind am Hals hoch geschnitten und liegen so nicht mit dem ganzen Gewicht auf dem Widerrist. Achten Sie auch auf eine gute Polsterung im Widerristbereich! Achten Sie auf die richtige Größe und nehmen Sie nicht zu schweres Material.
Aufgesattelt hat ein spezielles System entwickelt. Es ist einfach, fast jede Decke ist damit nachrüstbar. Wir werden dies in Kürze auf unserer Homepage präsentieren.
Sollte man sich einen gebrauchten Sattel kaufen?
Warum nicht. Gebraucht heißt ja nicht immer gleich verbraucht. Gute Sättel werden mit guter Pflege einige Jahrzehnte alt. Problem ist bei den alten Sätteln nur manchmal, dass die alten Formen nicht unbedingt auf jedes moderne Pferd passen. Manchmal sind jedoch alte Sättel ohne Keilkissen eine optimale Lösung für ein Pferd, aber das muss natürlich immer individuell bestimmt werden.
Worauf muss ich achten, wenn ich einen gebrauchten Sattel kaufe?
Es ist natürlich nicht so einfach, den passenden Sattel zu finden. Ich empfehle, keinen Sattel auf Verdacht, z.B. über das Internet zu kaufen. Auch wenn man Modell X von Firma Z in Kammerweise 31 von Freundin Y probiert hat, ein Sattel wird in reiner Handarbeit gefertigt, hier ist nichts genormt. Außerdem weiß man nicht, ob der Sattel mal verändert wurde und inwieweit sich der Sattel dem vorherigen Pferd (en) angepasst hat.
Ich empfehle, einen gebrauchten Sattel immer anpassen zu lassen. Es empfiehlt sich ebenfalls, die alte Polsterung komplett zu erneuern. Also die gesamte Polsterwolle muss raus aus dem Sattelkissen, eine neue Füllung dann hinein. So kann sich der gebrauchte Sattel optimal dem neuen Pferd anpassen.
Wenn die Sättel viel gebraucht wurden, sollte man auf die Sitzfläche achten. Manchmal sind im Bereich der Sitzhöcker Kuhlen auf der Sitzfläche. Der neue Besitzer könnte ggf. davon gestört werden, weil dessen Anatomie anders ist.
Ein weiteres Manko könnte sein, dass der Sattelbaum sozusagen ausgeleiert, verzogen (z.B. vom Aufsteigen) oder gar gebrochen ist. Hier ist das Auge eines Sattlers gefragt.
Ein gebrauchter Sattel ist meist gut eingesessen und weicher im Leder, als ein neuer. Manchmal wurden die Sättel jedoch falsch gepflegt. Ein nie gefetteter Sattel ist genauso unschön, wie ein Sattel, der vor Lederöl nur so trieft. Genau das ist ein Mangel, den man auf Fotos nicht sehen kann. Da kann man schon mal schnell die berühmte „Katze im Sack“ kaufen. Vertrauen Sie daher auf den Sattler.
Um Kosten zu sparen lohnt es sich auf jeden Fall, einen gebrauchten Sattel zu kaufen. Dennoch ist eines immer das A und O: lassen sie auch den gebrauchten Sattel anpassen. Ich komme gern zu Ihnen, auch wenn Sie einen Sattel woanders erstanden haben oder erstehen wollen, sprechen sie mich an!
Jetzt möchte ich nur noch erwähnen, dass ich immer rund 50 gebrauchte Sättel auf Lager habe. Die Preise beginnen ab ca. 80,- EUR. Es ist meist eine große Auswahl vorhanden: Dressursättel, Vielseitigkeitssättel, Springsättel, Westernsättel, baumlose Sättel,… Sprechen Sie mich an!
Sattelunterlagen
Es gibt sie in Hülle und Fülle auf dem Markt: Sattelunterlagen. Neben farblich abgestimmten Schabracken in den verschiedensten Absteppungen und aus den verschiedensten Materialien gibt es noch viele andere Sattel-Unterlagen. Das Gelkissen wurde vor etlichen Jahren auf dem Markt gebracht, um Druckstellen zu verhindern und um eine dämpfende Wirkung zu erzielen. Herkömmliche Gelkissen sind meiner Meinung nach keine optimalen Hilfsmittel, um Druckstellen auszugleichen. Liegt das Gelkissen nicht korrekt und faltenfrei unter dem Sattel, kann es erst recht zu Druckstellen kommen. Gelkissen ohne eingearbeitete Wirbelsäulenfreiheit haben zudem die schlechte Eigenschaft, dass sie sich stramm unter den Sattel legen, ein Einkammern ist fast unmöglich. In diesem Moment wird Gewicht auf die Wirbelsäule des Pferdes umgeleitet. Meist sind die Gelkissen auch zu klein und zu kurz, die Kanten drücken. Der sogenannte Tennisschläger, ein rundes Kissen mit „Stiel“ ist meines Erachtens eine total katastrophale Lösung, einen Sattel im hinteren Sattelkissen in die Höhe zu bekommen. Der „Stiel“ wird in den Wirbelkanal geklemmt. Jetzt gibt es regelrecht keinen Kissenkanal mehr, es kommt enormer Druck auf die Wirbelsäule. Viele Kissen tragen sehr auf, sie sind oft sehr dick. Durch dicke Kissen wird es automatisch auch vorne am Kopfeisen, also in der Kammer enger. Oft zu eng. Bei einer Sattelanpassung ist zu beachten, ob ein Lammfell unter den Sattel gelegt werden soll. Eigentlich sollte ein Sattel ohne irgendwelche Unterlagen, bis auf eine leichte Schabracke oder Satteldecke, passen. Hin und wieder sind jedoch Lammfellunterlagen empfehlenswert. Wenn ein Pferd beispielweise durch einen vorher unpassenden Sattel eine Athrophie des Trapezmuskels erlitten hat, ist es oft sinnvoll, vorübergehend ein Lammfell zu verwenden. Die Ortweite (im Volksmund Kammerweite) wird größer gewählt, um dem Muskel Platz zu lassen, damit er sich neu aufbauen kann. Oft liegen die Sättel dann jedoch am Widerrist auf. Hier empfehle ich ein Lammfell. Und zwar ein Lammfell, welches erstens im Wirbelkanal kein Fell hat (Wirbelsäule bleibt frei) und zweitens ein Lammfell oder Kissen, bei dem man mit Einlagen die Stärke variieren kann. Man kann nach und nach, so wie sich der Muskel regeneriert eine Einlage heraus nehmen, später das Lammkissen meist sogar ganz weglassen. Bei sehr empfindlichen Pferden oder Springpferden kann jedoch ein gutes Lammfell-Kissen ständig unter dem Sattel bleiben. Bedenken Sie jedoch, dass sich das Pferd daran gewöhnt. Oft ist es schwierig bei an Lammfell gewöhnte Pferde dieses nach ein paar Jahren einfach weg zu lassen. Ein weiteres Problem von dicken oder gar mehrschichtigen Unterlagen sehe ich darin, dass man sowohl sehr weit weg vom Pferderücken sitzt als auch, dass alles sehr in Schwimmen und Wackeln kommt.