Archiv für Oktober 2009
Der Wunder – Sattel
Sicher hat es jeder schon einmal gehört: Der Sattel Modell Samson von der Firma Sesamstraße paßt auf jedes Pferd.
Es gibt durchaus Sättel, welche aufgrund ihrer Bauart sehr flexibel sind und auf vielen Pferden passen. Aber kein Sattel paßt (so wie er ist) sowohl auf einen kugelrunden Haflinger, als auch auf einen superschmalen Vollblüter.
Dies ist ein sehr krasses Beispiel. Manch einer sagt sich jetzt, ich würde einen Elefanten mit einer Ameise vergleichen. Das ist richtig, aber es ist nicht so abwegig, dass jemand einen Sattel auf sehr unterschiedliche Pferde legt und die “kleinen Unterschiede” mit fünf Unterlagen ausgleicht.
Die Pferderücken sind so individuell wie die Character der Pferde. Es scheint oft, dass Pferde “gleich gebaut” sind. Nur wenn man genauer hinschaut, erkennt man die feinsten Unterschiede. Das bedeutet, dass ein Sattel nie 100% ig auf zwei oder mehr verschiedene Pferde passen kann. Es wird immer irgendwo ein Kompromiss eingegangen.
Ein Sattel formt sich dem Pferderücken kann, die Polsterung gleicht sich der Rücken- und Muskulaturform an.
Das bedeutet, dass ein Sattel, der ständig auf einem anderen Pferd liegt, sich erstens immer wieder umformen muss und zweitens nie richtig ans Pferd anpassen kann.
Ein absolutes Unding ist meiner Meinung nach, dass der Reiter “seinen” Sattel hat. Das Pferd muss “seinen” Sattel haben. Wenn der Reiter auf diesem nicht sitzen kann, sollte man über die “Reitkünste” nachdenken. Ich gehe davon aus, wenn ein Pferd öfter geritten wird, kann dem Pferd ein Sattel ermöglicht werden, der beiden paßt.
Wenn bei einer großen sportlichen Entscheidung die Pferde getauscht werden, werden plötzlich die Sättel getauscht. Man hört dann den Komentator sagen: “Das Pferd Rosinante kommt mit fremden Reitern nicht zurecht und ist daher sehr unkooperativ…” hat sich eigentlich noch nie jemand Gedanken gemacht, dass der Sattel so schlecht leigt, dass das Pferd den fremden Reiter nicht aufsteigen lassen möchte?
Bitte laßt den Pferden ihre Sättel. Wenn der Reiter im fremden Sattel nicht über die Sprünge kommt sieht man, wo die waren Künste liegen.
Also jedem Pferd seinen eigenen angepaßten Sattel. Dann klappt es auch!
Deshalb werden bei uns gebrauchte Sättel grundsätzlich dem Pferd angepaßt. Fast immer werden die Sättel neu gepolstert, damit sich der Sattel dem Pferd neu anpassen kann. Dann kappt es auch mit dem Gebrauchten!
Von selbsternannten Sattlern und Märchenerzählern
Als Sattler hat man es nicht leicht. Man ist verantwortlich dafür, dass der Sattel optimal auf dem Pferd passt. Soviel ist einleuchtend. Manchmal ist man aber dafür verantwortlich, dass das Pferd durch Rückenprobleme, Rittigkeitsprobleme oder Reiterprobleme nicht läuft. Das bedeutet: oft wird es auf den Sattel geschoben, obwohl vielleicht das Pferd Rückenprobleme hat. Nicht selten erhalte ich auf die Anfrage, ob das Pferd mit dem meines Erachtens krankem Rücken in Behandlung eines Tierarztes, Pferde-Physiotherapeuten oder Pferde-Osteopathen ist, eine Verneinung. Wir Sattler sollen also den Sattel richten, der möglicherweise die Ursache der Rückenschmerzen ist. Fraglich ist, warum niemand geholt wird, der dem Rücken die entsprechenden Therapien zur Rehabilitation ermöglicht.
Wenn das Pferd mit dem korrigiertem Sattel noch nicht so läuft, wie gewünscht, ist dann ganz schnell die Arbeit des Sattlers mies. Zum Vergleich: Ein Loch im Fahrradreifen muss man flicken und reparieren. Wenn ich den platten Reifen einfach nur neu aufpumpe, ist die Ursache – also das Loch im Reifen – noch nicht behoben. Der Reifen ist schnell wieder platt.
Mehr und mehr verschwindet jedoch dieses Problem. Die Reiter sind bewusster geworden und lassen meist ergänzend sowohl Sattler, als auch Tierarzt checken, warum das Pferd z.B. beim Putzen den Rücken wegdrückt.
Ein viel größeres Problem sind eigentlich die selbsternannten Sattler, also die, die den Beruf in keinster Weise erlernt haben. Klar gibt es Ausnahmen, es gibt sowohl schlechte gelernte Sattler, als auch gute ungelernte Sattler. Letzteres ist jedoch Mangelware.
Immer wieder stößt man auf völlig falsch gepolsterte Sättel. Riesige Hügel, gerade in Bereichen in denen so wenig Druck wie möglich entstehen soll, nämlich an den Enden des Trapezmuskels. Oder aber auch große „Kartoffelacker“, so nennen wir Sattler eine harte, knubbelige Polsterung. Oder aber das krasse Gegenteil: kaum Polsterwolle, so dass der Sattel bis auf die Wirbelsäule durchrutscht. Als Sattler lernt man, wie man anatomisch korrekt polstert. Ein unbedachtes „Wolle hineinstopfen“ macht den Sattel meist schlechter als vorher. Aber: ein ungelernter Sattler hat es ja auch nicht gelernt, sondern sich nur angeeignet, wie soll er also die Kriterien der Sattelanpassung vereinen?
Viel schlimmer ist meines Erachtens jedoch, dass den Reitern Märchen erzählt werden. Oft genug habe ich Sättel vorliegen, die schon einmal vor Kurzem neu gepolstert wurden. Mit einer „Spezialpolsterung“. Wow, solch eine „irische Spezialwolle“ ist anscheinend sehr umweltfreundlich. Handelt es sich dabei um Recycling? Interessant, wenn man solche Sättel mit Spezialpolsterung neu polstert und die alte Füllung entfernt, da die Polsterung so wie sie ist, gar nicht funktioniert hat. Da kommen drei bis vier verschiedene Polsterwollen zum Vorschein. Naturwolle, graue Wolle (die von Anfang an im Sattel war), synthetische Wolle und faserige Bastelwolle. Alles verträgt sich miteinander so gut, dass sich ein großer knubbeliger Wust daraus bildet. Fraglich ist, ob diese Polsterung den Sattel verlassen hat, etwas frisch aufgebauscht und wieder eingefüllt wurde, oder nie den Sattel verlassen hat, aber mit 120,- EUR als Neupolsterung dem Kunden in Rechnung gestellt wird. Das Ganze wird dann umschmückt: da wird das Pferd „vermessen“, die Reiterin ausgiebig beim Reiten beobachtet, usw. Auch so lässt sich Kompetenz vorgaukeln.
Wenn das noch nicht genug ist, wird dem Reiter noch gesagt, man habe den Sattelbaum „ausgetauscht“, da er nicht optimal zum Pferd passen würde.
Wenn, dann wird ein Kopfeisen ausgetauscht, nicht der Sattelbaum. Der Austausch eines Sattelbaumes ist sehr aufwendig, wird nur bei defektem Sattelbaum sinnvoll und kostet dann zwischen 200,- und 400,- EUR. Interessant ist übrigens auch, wie man es schafft, einen solchen Sattelbaum auszutauschen, ohne dass selbst der Sattler Spuren eines Austauschens sieht.
Meist ist darauf zu schließen: Entweder wurde der Sattelbaum einfach auseinandergedrückt, ohne den Sattel zu öffnen, oder nicht mal dies ist passiert.
Deshalb: Wenden Sie sich immer an den gelernten Sattler!
Computerdruckmessung von Sätteln
Satteldruckmessung, Satteldruckanalyse
In den letzten Jahren wurden immer mehr Systeme entwickelt, um mittels Computer des Druck messen zu können, der vom Sattel ausgeht.
Mittels Matten, in denen sich Sensoren befinden, werden Druckspitzen farblich auf dem Monitor dargestellt. Nachdem es diese Systeme in der ersten Zeit nur gab, um den Druck, den der Sattel verursacht, im Stand zu messen, wurden Systeme entwickelt, bei denen Pferd und Reiter in Bewegung sind.
Uns Sattlern ist bewußt, dass es viele Sättel gibt, die nicht auf dem Pferd passen. Diese gibt es nicht nur, weil der Kunde seinen Sattel z.B. nicht regelmäßig nachsehen läßt oder sich ein Pferd gravierend verändert hat, diese gibt es auch, weil sie am Pferd falsch angepaßt wurden.
Das vom “Fachmann” angepaßte Sättel nicht zwingend passen müssen, ist allen klar. Ebenso ist klar, dass Sattler auch nur Menschen sind, denen handwerklichen Fähigkeiten Grenzen gesetzt sind. Man kann manchmal nicht aus einem Traktor einen Formel 1-Wagen machen. Technische Grenzen gibt es immer wieder. Man mag den Sattel in der Schulter optimal angepaßt bekommen, stellt dann aber fest, dass der Sattel im Trab “klappert” und sich hinten anhebt. Hin und wieder hört der Sattler dann vom Physiotherapeuten: “der muss doch hinten mehr gepolstert werden” Würde man dies tun, kommen zig andere Probleme zu Tage. Tendenziell besteht leider das Problem, dass technisch nicht alles umsetzbar ist, so müssen zwingend immer Kompromisse eingegangen werden. Ich bin so frech und behaupte, von 1000 angepaßten Sätteln paßt nur einer hundertprozentig, alle anderen haben, sei es noch so geringfügig, einen Kompromiss in der Passform.
Wird jetzt ein Computermess-System eingesetzt, kommen diese Kompromisse entweder zu Tage, oder man Sieht, dass sich das Problem, dass vielleicht erst vorne am Widerrist entstand, plötzlich nach hinten verlagert hat. Bei der Computermessung kann man dann aber dieses Problem durch Einstellungen in der Software rasch wegzaubern. Diesen Trick hat jemand verraten, der selbst mit der Computerdruckmessung arbeitet. Ich will damit sagen, dass die Messungen von Sätteln mittels PC Lug und Trug sind? Nicht unbedingt. Wenn man damit umgehen kann, kann auf jeden Fall dadurch Klarheit geschaffen werden.
Meiner Meinung nach wird bei den Messungen jedoch nicht nur der Druck gemessen, den der Sattel verursacht. Auch der Druck, den der Reiter verursacht, wird zwingend auf die Messmatten übertragen. Sitzt der Reiter schief, falsch im Schwerpunkt oder unelastisch im Sattel, kann das bei der Messung nicht einfach so unbeachtet bleiben. Der Sattel kann also noch so perfekt angepaßt sein, hat der Reiter z.B. eine schiefe Wirbelsäule, überträgt sich dass auf den Sattel und somit weiter auf das Pferd. Das fällt natürlich besonders bei baumlosen Sätteln auf, da sättel mit Baum die Schiefe noch relativ gut kompensieren.
Jetzt könnte man meinen: Warum polstert man dann nicht den Sattel schief?
Genauso, wie auch meiner Meinung nach der Sattel bei assymmetrisch bemuskelten Pferden nicht assymmetrisch gepolstert werden darf, sollte auch wegen des schiefen Reiters der sattel nicht schief gepolstert werden. Kein Sattler kann den Sattel so perfekt schief polstern, wie es der Schiefe des Pferdes oder Reiters entspricht.Die Probleme würden an anderen Stellen auftauchen. Der sinnvolle Weg, an eine Schiefe heran zu gehen, ist immer noch eine Korrektur über Training, Therapie und Schulung!
Ich werde oft gefragt, wie ich es mir mit dem bloßen Auge merken kann, wie der Sattel zu ändern ist. Dazu kann ich nur sagen: entweder man hat das Gespür und sieht und fühlt, wie ein Sattel zu ändern ist, oder man hat den Beruf verfehlt. Klar geht es nicht immer gleich glatt, es kann immer mal sein, dass eine Nachkorrektur eines frisch passend gepolsterten Sattels notwendig ist. Dazu fahren wir ja auch zu unseren Kunden immer wieder hin, wenn sie es wünschen oder wenn sie unsicher sind, ob der Sattel vielleicht doch noch nicht richtig liegt.
Dazu fahren wir mitunter 5-6 mal zum Kunden, bis der Sattel perfekt paßt. Das ist jedoch ein seltener Fall und noch seltener passiert es, dass der Sattel nach unserer Anpassung doch nicht richtig paßt. In diesem Fall helfen wir, einen anderen, besser passenden Sattel zu finden. Der Fall, dass von uns angepaßte Sättel absolut nicht anpassbar sind, läßt sich an einer Hand abzählen.
Wir sind natürlich immer darauf angewiesen, dass sich der Kunde bei uns meldet, wenn es Probleme mit dem von uns geänderten Sattel gibt. Sich ärgern und sagen “Schon wieder ein Sattler, der den sattel nicht hinbekommen hat”, frustriert zu schimpfen, aber sich nicht noch mal bei uns zu melden… Da kann ich nur sagen, selbst Schuld. Bei uns muß keiner frustriert aufgeben.
Wir hören übrigens sehr oft: “Da waren schon 3 andere Sattler dran.” Später stellt sich dann heraus, dass es sich gar nicht um gelernte Sattler handelt. Schade, dass jeder, der an einem Sattel herumfingert oder einen sattel verkauft von den Reitern “Sattler” genannt wird.
Jede Krankenschwester im Krankenhaus ist doch auch nicht gleich eine Ärztin, oder? Was nicht heißen soll, dass es keine “Nicht-Sattler” gibt, welche Sättel anpassen können. wiederum gibt es ja leider auch sattler, die gravierende Fehler bei Anpassungen von Sätteln machen. Wobei man nicht alles als Fehler werten kann. Jeder Sattler arbeitet anders, jeder hat eine andere Technik und viele Wege führen nach Rom.
Wir in jedem Fall arbeiten ohne Seil und doppeltem Boden. Wenn ein Sattler Messgitter oder gar die Computermessung verwendet, heißt dass nich, dass er schlecht arbeitet. Ich möchte hier nur sagen, dass es durchaus üblich ist, einen Sattel mit Auge und Gefühl passend machen zu können. Wir können nicht während des Reitens unter den Sattel gucken. Manchmal sieht ein Sattel perfekt passend aus, aber das Pferd läuft nicht drunter. Fakt ist in jedem Fall, dass sie sich die 100,- bis 200,- EUR bei uns sparen, die Sie für eine Computerdruckmessung ausgeben.
Leider fällt uns sehr oft auf, dass das Problem nicht der Sattel ist. Durch andere Ursachen haben die Pferde Rückenschmerzen. Oft ist dann nur der Sattel “schuld”. Wir möchten Ihnen als Reiter nahe legen, den Rücken des Pferdes ebenso, wie den Sattel regelmäßig überprüfen zu lassen.
Lederpflege von Reitsportartikeln
Sättel und Reitsportzubehör kosten Geld, daher ist die Pflege dieser teuren Utensilien besonders wichtig.
Man möchte besonders lange Freude daran haben. Nur stellt sich die Frage, wie Pflege ich Sattel und Co. am besten?
Leder ist nicht gleich Leder. Nicht nur die Gerbung macht den Unterschied am Leder. Beim Leder spielen folgende Eigenschaften eine Rolle:
1. von welchem Tier ist das Leder: Rind, Kalb, Schaf,….?
2. ist es gespaltenes Leder?
3. ist es aufgerauht?
4. wie ist es gegerbt?
5. Wie ist die Oberfläche zugerichet? Wie ist es gefärbt, gefettet,…..
Leder sind mindestens so unterschiedlich, wie es verschiedene Pferderassen gibt.
Also müssen die Utensilien des Reiters auch unterschiedlich gepflegt werden.
Zäume und Sättel sollen mit Wasser und Sattelseife gereinigt werden. Wichtig: Seife wieder richtig abspülen bzw. abwaschen!
Danach mit dem guten Lederfett mit einem Lappen oder Schwamm einfetten.
Bei den Trensen muss man besonders bei Nasenriemen und Sperriemen auf Pflege achten, da durch den Speichel des Pferdes und das Abwaschen des Gebisses das Leder besonders leidet. Sperriemen können alternativ auch gelegentlich mit gutem Lederöl geölt werden.
Lederöl wird nur verwendet, wenn es entweder sehr altes, brüchiges Leder ist, oder es wird für Leder verwendet, bei dem der Einsatz von Lederöl vorausgesetzt ist. (Besonders im Westernbereich gibt es geöltes Leder, welches am schönsten erhalten bleibt, wenn es regelmäßig nachgeölt wird.
Wenn ich höre, dass jemand Leder in einem Eimer in Öl “einlegt”, stellen sich mir die Nackenhaare hoch.
Das Öl greift auf Dauer das Fasergefüge des Leders an, es macht es schwammig, nach einer Zeit bilden sich Risse im Leder. (das sieht man z.B., wenn jemand seine Lederreitstiefel regelmäßig ölt. Die Stiefel bekommen erst so spröde Falten, sacken richtig ein und dann reißt das Leder auf. Lederöl greift unter anderem auch die Nähte an.
Lederstiefel sollten nur mit klarem Wasser abgewaschen werden, dann mit Schuhcreme gepflegt und poliert werden.
Lederstiefel dürfen nicht gefettet oder gar geölt werden!!!! Wer wabbelige, mit Löchern versehene Stiefel haben möchte, kann Fett oder Öl einsetzen.
Rauhleder von vielen Barocksätteln sollte man feucht abwischen und mit einer Rauhlederpflege (z.B. für Schuhe) pflegen. Lederfett würde das Nubuk-Leder glatt machen. Man kann auch Gummibürstchen einsetzen, die das Leder wieder aufrauhen. Ist ehemaliges Rauh-Leder irgendwann ganz glatt “gesessen”, kann man es ganz vorsichtig mit sehr feinem Schleifpapier wieder aufrauhen. Aber vorsichtig an Nähten, diese könnten evtl. aufgescheuert und somit beschädigt werden.
Leder benötigt auf jeden Fall regelmäßig Fett, so wie unsere Haut auch Pflege braucht! Es gibt auch Sattelseifen mit intregierter Pflege (Ölseife), dennoch ist ein Komplettprogramm mit Lederfett immer besser.
Sattelstrippen sollten nicht gefettet oder geölt werden. Sie sind in der Regel aus geschmeidigem Chromleder, welches kein Fett benötigt. Werden Strippen immer fleißig gefettet oder geölt… Schon mal nasses gefettetes Leder angefasst? *Flutsch*
Die Sitzfläche eines Sattels benötigt natürlich auch Lederpflege! Sie wird genauso beansprucht. Schon mal diese kleinen Risse im Leder auf der Sitzfläche gesehen? Das nennt sich Schweißbruch. Dies kommt vom Reiterschweiß, kann aber sicher durch Pflege verhindert werden! Oft wird behauptet, dass die Sitzfläche nicht gefettet werden sollte, da man sonst das Fett in der Reithose hat, es rutschig wird (meist klebt man jedoch durch das Fetten besser im Sattel), usw. Wer jedoch seinen Sattel lange benutzen möchte, pflegt den Sattel komplett.
Sehr oft fällt auf, dass die Sättel auf der Unterseite nicht gut genug gepflegt werden. Trotz Satteldecke dringt immer wieder Pferdeschweiß an das sogenannte Schweißblatt des Sattels durch. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Sattel auch von der Unterseite gut gepflegt wird. Dass durch die Sattelpolsterung durch eine Bearbeitung mit Lederfett verklebt und verklumpt ist absoluter Humbug. Mann müßte schon sehr extrem das Leder einölen, bis das Öl bis in die Polsterwolle des Kissen dringt. Ich habe bisher noch keinen Sattel vorgefunden, die durch Lederfett oder Lederöl “versifft” war und ich habe schon viele tausende Sättel auseinander genommen. Gute Sattelpolsterungen nehmen gar nicht erst Fett auf.
Letzenendes ist natürlich das Mittelmaß an Pflege zu wählen. Zu wenig schadet genauso, wie zu viel Pflege.
Man kann kein festes Maß festlegen, es hängt von vielen Faktoren ab. Wie oft wird geritten, wo wird geritten (ein Sattel, der ständig Staub und regen abbekommt ist durchaus pflegebedürftiger, als ein Sattel, der nur in der Reithalle benutzt wird), usw. Versuchen Sie, das richtige Maß zu finden. Ein normal beanspruchter Sattel sollte ca. 1x pro Monat Sattelseife und Lederfett sehen…
Sattlerkurse kostenlos !
Sattlerkurs, Sattlerlehrgang, Sattlerpraktikum
Teures Geld für Kurse im Ausland ausgeben, die behaupten, in 5 Tagen Sattler zu werden und Sätel polstern zu können? Tja, irgendwie gibt es solchen Humbuk wohl in jeder Branche.
Genauso wenig, wie ein Grundschüler in wenigen Tagen komplett Lesen und Schreiben lernt, kann man als Laie in dieser Zeit Sattler werden. Erst recht in dieser Zeit anatomisch korrektes polstern zu lernen ist schier unmöglich! Sattler lernen nicht umsonst 3 Jahre Ihren Beruf! Außerdem lernt auch ein Sattlergeselle nach der Gesellenprüfung immer noch weiter. Wie heißt es so schön? Man lernt nie aus!
Mal abgesehen davon, dass das Gespür und Augenmaß eines Sattlers nicht erlernt werden kann. Erst die Erfahrung befähigt den Sattler, Sättel korrekt anzupassen.
Sättel werden nicht einfach nur “gestopft” um prall auf dem Pferderücken zu liegen. Leider findet man jedoch noch sehr oft Sättel vor, die von Laien z.T. mit den haaresträubendsten Dingen gepolstert wurden.
Die neue Ausbildungsverordnung, die im August 2005 in Kraft tritt berücksichtigt, dass schon der Auszubildende im 3. Ausbldungsjahr bestens über anatomische merkmale des Pferdes, Bewegungsabläufe und Gangarten bescheid weiß.
Crash-Kurse mögen recht interessant sein, aber wer für ein paar Tage in den Beruf Sattler hineinschnuppern möchte und die Grundtechniken des Sattlerhandwerks kennen lernen und probieren möchte, sollte sich besser an einen kompetenten Sattler-Meisterbetrieb in seiner Nähe wenden.
Nicht selten werden Betriebspraktikas angeboten, die einen Einblick in den Beruf Sattler ermöglichen.
In dem Betrieb von Manuela Postler lernen Schüler, wie sie z.B. die Grundtechniken des Nähens anwenden. Meist sind die Praktikanten am Ende des Praktikums in der Lage, sich ein eigenes Halfter anzufertigen. Für ernsthaft interessierte ist es jederzeit möglich, solch ein Praktikum kostenlos in der Fachrichtung Reitsportsattler zu absolvieren.
Es ist praktisch, wenn sich der Reiter schnell selbst helfen kann, wenn z.B. auf dem Turnier gerade die Pullerriemenschlaufe am Reithalfter ausreißt o.ä.
Das Polstern von Sätteln sollten Sie jedoch weiterhin dem Fachmann überlassen, der 3 Jahre den Beruf erlernt hat und die nötige Erfahrung mit dem Polstern von Sätteln hat. Es gehört zum Sattelpolstern nicht nur Kraft und Geschick, sondern auch das richtige Gefühl dazu und das lernt man nicht, das besitzt man!