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Artikel-Schlagworte: „Sattler“

Der Wunder – Sattel

Sicher hat es jeder schon einmal gehört: Der Sattel Modell Samson von der Firma Sesamstraße paßt auf jedes Pferd.
Es gibt durchaus Sättel, welche aufgrund ihrer Bauart sehr flexibel sind und auf vielen Pferden passen. Aber kein Sattel paßt (so wie er ist) sowohl auf einen kugelrunden Haflinger, als auch auf einen superschmalen Vollblüter.
Dies ist ein sehr krasses Beispiel. Manch einer sagt sich jetzt, ich würde einen Elefanten mit einer Ameise vergleichen. Das ist richtig, aber es ist nicht so abwegig, dass jemand einen Sattel auf sehr unterschiedliche Pferde legt und die “kleinen Unterschiede” mit fünf Unterlagen ausgleicht.
Die Pferderücken sind so individuell wie die Character der Pferde. Es scheint oft, dass Pferde “gleich gebaut” sind. Nur wenn man genauer hinschaut, erkennt man die feinsten Unterschiede. Das bedeutet, dass ein Sattel nie 100% ig auf zwei oder mehr verschiedene Pferde passen kann. Es wird immer irgendwo ein Kompromiss eingegangen.
Ein Sattel formt sich dem Pferderücken kann, die Polsterung gleicht sich der Rücken- und Muskulaturform an.
Das bedeutet, dass ein Sattel, der ständig auf einem anderen Pferd liegt, sich erstens immer wieder umformen muss und zweitens nie richtig ans Pferd anpassen kann.
Ein absolutes Unding ist meiner Meinung nach, dass der Reiter “seinen” Sattel hat. Das Pferd muss “seinen” Sattel haben. Wenn der Reiter auf diesem nicht sitzen kann, sollte man über die “Reitkünste” nachdenken. Ich gehe davon aus, wenn ein Pferd öfter geritten wird, kann dem Pferd ein Sattel ermöglicht werden, der beiden paßt.
Wenn bei einer großen sportlichen Entscheidung die Pferde getauscht werden, werden plötzlich die Sättel getauscht. Man hört dann den Komentator sagen: “Das Pferd Rosinante kommt mit fremden Reitern nicht zurecht und ist daher sehr unkooperativ…” hat sich eigentlich noch nie jemand Gedanken gemacht, dass der Sattel so schlecht leigt, dass das Pferd den fremden Reiter nicht aufsteigen lassen möchte?
Bitte laßt den Pferden ihre Sättel. Wenn der Reiter im fremden Sattel nicht über die Sprünge kommt sieht man, wo die waren Künste liegen.
Also jedem Pferd seinen eigenen angepaßten Sattel. Dann klappt es auch!
Deshalb werden bei uns gebrauchte Sättel grundsätzlich dem Pferd angepaßt. Fast immer werden die Sättel neu gepolstert, damit sich der Sattel dem Pferd neu anpassen kann. Dann kappt es auch mit dem Gebrauchten!

Von selbsternannten Sattlern und Märchenerzählern

Als Sattler hat man es nicht leicht. Man ist verantwortlich dafür, dass der Sattel optimal auf dem Pferd passt. Soviel ist einleuchtend.  Manchmal ist man aber dafür verantwortlich, dass das Pferd durch Rückenprobleme, Rittigkeitsprobleme oder Reiterprobleme nicht läuft.  Das bedeutet: oft wird es auf den Sattel geschoben, obwohl vielleicht das Pferd Rückenprobleme hat. Nicht selten erhalte ich auf die Anfrage, ob das Pferd mit dem meines Erachtens krankem Rücken in Behandlung eines Tierarztes, Pferde-Physiotherapeuten oder Pferde-Osteopathen ist, eine Verneinung. Wir Sattler sollen also den Sattel richten, der möglicherweise die Ursache der Rückenschmerzen ist. Fraglich ist, warum niemand geholt wird, der dem Rücken die entsprechenden Therapien zur Rehabilitation ermöglicht.
Wenn das Pferd mit dem korrigiertem Sattel noch nicht so läuft, wie gewünscht, ist dann ganz schnell die Arbeit des Sattlers mies.  Zum Vergleich: Ein Loch im Fahrradreifen muss man flicken und reparieren. Wenn ich den platten Reifen einfach nur neu aufpumpe, ist die Ursache – also das Loch im Reifen – noch nicht behoben. Der Reifen ist schnell wieder platt.

Mehr und mehr verschwindet jedoch dieses Problem. Die Reiter sind bewusster geworden und lassen meist ergänzend sowohl Sattler, als auch Tierarzt checken, warum das Pferd z.B. beim Putzen den Rücken wegdrückt.

Ein viel größeres Problem sind eigentlich die selbsternannten Sattler, also die, die den Beruf in keinster Weise erlernt haben. Klar gibt es Ausnahmen, es gibt sowohl schlechte gelernte Sattler, als auch gute ungelernte Sattler. Letzteres ist jedoch Mangelware.

Immer wieder stößt man auf völlig falsch gepolsterte Sättel. Riesige Hügel, gerade in Bereichen in denen so wenig Druck wie möglich entstehen soll, nämlich an den Enden des Trapezmuskels. Oder aber auch große „Kartoffelacker“, so nennen wir Sattler eine harte, knubbelige Polsterung. Oder aber das krasse Gegenteil: kaum Polsterwolle, so dass der Sattel bis auf die Wirbelsäule durchrutscht. Als Sattler lernt man, wie man anatomisch korrekt polstert. Ein unbedachtes „Wolle hineinstopfen“ macht den Sattel meist schlechter als vorher. Aber: ein ungelernter Sattler hat es ja auch nicht gelernt, sondern sich nur angeeignet, wie soll er also die Kriterien der Sattelanpassung vereinen?

Viel schlimmer ist meines Erachtens jedoch, dass den Reitern Märchen erzählt werden. Oft genug habe ich Sättel vorliegen, die schon einmal vor Kurzem neu gepolstert wurden. Mit einer „Spezialpolsterung“. Wow, solch eine „irische Spezialwolle“ ist anscheinend sehr umweltfreundlich. Handelt es sich dabei um Recycling? Interessant, wenn man solche Sättel mit Spezialpolsterung neu polstert und die alte Füllung entfernt, da die Polsterung so wie sie ist, gar nicht funktioniert hat. Da kommen drei bis vier verschiedene Polsterwollen zum Vorschein. Naturwolle, graue Wolle (die von Anfang an im Sattel war), synthetische Wolle und faserige Bastelwolle. Alles verträgt sich miteinander so gut, dass sich ein großer knubbeliger Wust daraus bildet. Fraglich ist, ob diese Polsterung den Sattel verlassen hat, etwas frisch aufgebauscht und wieder eingefüllt wurde, oder nie den Sattel verlassen hat, aber mit 120,- EUR als Neupolsterung dem Kunden in Rechnung gestellt wird. Das Ganze wird dann umschmückt: da wird das Pferd „vermessen“, die Reiterin ausgiebig beim Reiten beobachtet, usw. Auch so lässt sich Kompetenz vorgaukeln.

Wenn das noch nicht genug ist, wird dem Reiter noch gesagt, man habe den Sattelbaum „ausgetauscht“, da er nicht optimal zum Pferd passen würde.
Wenn, dann wird ein Kopfeisen ausgetauscht, nicht der Sattelbaum. Der Austausch eines Sattelbaumes ist sehr aufwendig, wird nur bei defektem Sattelbaum sinnvoll und kostet dann zwischen 200,- und 400,- EUR. Interessant ist übrigens auch, wie man es schafft, einen solchen Sattelbaum auszutauschen, ohne dass selbst der Sattler Spuren eines Austauschens sieht.

Meist ist darauf zu schließen: Entweder wurde der Sattelbaum einfach auseinandergedrückt, ohne den Sattel zu öffnen, oder nicht mal dies ist passiert.

Deshalb: Wenden Sie sich immer an den gelernten Sattler!